Gesundheitsbewusstsein in der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Das LIKIV (Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung) erfasst regelmäßig Zahlen und wertet diese aus. Es nimmt Erkrankungen und deren Risikogruppen sowie Behandlungen unter die Lupe.

Wozu dienen diese statistischen Erhebungen? Um die Angebote für Gesundheitsförderung und -prävention an den tatsächlichen Bedarf anpassen zu können,

Weitere Umfragen erfassen, wie gesund sich die Bevölkerung fühlt und wie sie ihr eigenes Gesundheitsverhalten bewertet. Nur auf diese Weise können das Gesundheitsverhalten und das Risiko für bestimmte Erkrankungen miteinander in Verbindung gebracht werden.

So gesund fühlt sich Ostbelgien

Folgende Umfragen zum subjektiven Gesundheitszustand wurden in den vergangenen Jahren in der Deutschsprachigen Gemeinschaft durchgeführt:

Nationale Gesundheitsumfrage

2013 wurde die fünfte, nationale Gesundheitsumfrage per Interview durchgeführt. Das Wissenschaftliche Institut für Volksgesundheit (WIV) organisiert die Umfrage in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Statistik.

10.834 Personen wurden befragt, davon 264 aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Diese Personen wurden per Zufallsprinzip ausgewählt. Die Stichprobe für die Deutschsprachige Gemeinschaft ist somit sehr klein und die Aussagekraft der Resultate eingeschränkt.

Die vollständigen Berichte der Umfragen sind auf der Internetseite des WIV einzusehen (in französischer Sprache). Eine Zusammenfassung der Resultate in deutscher Sprache finden Sie im Downloadbereich vor.

Die wichtigsten Resultate der Umfrage aus 2013:

  • Koronare Herzerkrankungen, chronische Lungenerkrankungen, ernsthafte Darmerkran-kungen, chronische Blasenentzündung, schwere Kopfschmerzen wie beispielsweise Migräne und schwere oder chronische Hauterkrankungen sind in den letzten fünf Jahren zurückgegangen.

  • Bluthochdruck, Diabetes, Arthrose und Schilddrüsenerkrankungen haben zwischen 1997 und 2013 am stärksten zugenommen. Nach Beschwerden im unteren Rücken ist Arthrose die zweithäufigste, chronische Erkrankung. Auffallend ist, dass fast doppelt so viele Menschen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft von Arthrose betroffen sind im Vergleich zu Gesamtbelgien. Zu wenig Bewegung und Übergewicht könnten eine Erklärung sein.

  • Immer mehr Menschen leiden an Depressionen. Seit der letzten Umfrage 2008 haben sich die Angaben der befragten Bürger, die aussagten an Depressionen zu leiden, verdreifacht. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Dieser Trend ist auch landesweit zu beobachten.

  • Die Jugendlichen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft trinken zu viel Alkohol. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen gaben 35% der Befragten an, bei Gelegenheit zumindest einmal pro Woche mehr als sechs Gläser Alkohol (Binge-Drinking) zu trinken. Wird die Rate der “Vieltrinker” in Höhe von 25 Prozent im Alter zwischen 15 und 24 Jahren hinzugezogen und mit der landesweiten Quote (14 Prozent) verglichen, dann ist ein Problem deutlich erkennbar. Dabei trinken die Frauen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft fast genauso häufig wie die Männer zu viel Alkohol (14. bzw. 21 Einheiten Alkohol pro Woche).

  • Zudem gaben 24% der befragten Bürger der Deutschsprachigen Gemeinschaft an, Raucher zu sein. Diese Zahlen sind vergleichbar mit denen der anderen Landesteile. Bei den 25- bis 44-Jährigen gibt es in der Deutschsprachigen Gemeinschaft etwa 23% Raucher. Auch dieser Wert ist vergleichbar mit dem landesweiten Durchschnitt (21,5 %). In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen rauchen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 12,3 Prozent. Das liegt deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt von 17 Prozent.

Im Jahr 2018 wurde die sechste, nationale Gesundheitsumfrage durchgeführt. Um eine repräsentativere Aussage zu erhalten, wurden im Jahr 2018 900 Personen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft befragt. Eine Auswertung, die sich spezifisch auf unser Region bezieht, wird im Jahr 2020 veröffentlicht.

Euregionale Umfrage zum Risikoverhalten bei Jugendlichen der Euregio Maas-Rhein

Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat in 2013 zum 3. Mal an der euregionalen Jugendbefragung teilgenommen. Diese Studie, um den Gesundheitszustand und Lebensstil der Jugendlichen zu erfassen, wurde bisher zweimal in den Jahren 2001 und 2008 durchgeführt. 2013 haben 1660 Schüler aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft an der Befragung teilgenommen.

Organisiert durch die Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (ASL) haben in der Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt 12 Sekundarschulen aller Schulformen an der Umfrage teilgenommen. Die 90-minütige schriftliche Befragung wurde im jeweiligen Klassenverband durchgeführt oder in Gruppen bis zu drei Klassen. Von den 1660 teilnehmenden Schülern der Deutschsprachigen Gemeinschaft waren ca. 750 aus den 2. und knapp 910 aus den 4. Sekundarschulklassen.

Die Ergebnisse der Befragung liefern ein Bild über Gesundheitszustand und Lebensstil der Schüler. Somit stellt die Jugendstudie eine gute Grundlage dar, Strategien und Prioritäten der Gesundheitsförderung und Prävention auf der lokalen und euregionalen Ebene für die nächsten Jahre zu entwickeln.

Priorität in der Deutschsprachigen Gemeinschaft liegt derzeit in der Prävention von den legalen Drogen, Alkohol und Tabak, da hier besonderer Handlungsbedarf besteht, vor allem bei Schülern aus den berufsbildenden Klassen. Die Resultate werden ebenfalls im Downloadbereich der Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung zur Verfügung gestellt.