Die Universität Mons untersucht die Armut in der DG

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Die Universität Mons untersucht gemeinsam mit dem Forschungsinstitut CeRIS die Armut in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG). Ende 2014 legten sie den ersten Zwischenbericht vor.

Armut gibt es auch in der DG

Die Studie belegt deutlich, dass auch hier vor Ort Menschen in Armut leben. Die Autoren der Studie definieren Armut folgendermaßen: „Armut stellt ein Netzwerk von sozialen Ausgrenzungen dar, das sich über mehrere Gebiete des individuellen und kollektiven Lebens erstreckt. Es trennt Arme von den Lebensweisen, die im Allgemeinen von der Gesellschaft anerkannt sind. Diese Kluft können sie nicht aus eigener Kraft überbrücken" (Jan Vranken, Universität Gent 2013).

Wer arm ist, ist häufig ausgegrenzt: Geldmangel führt zum Beispiel dazu, dass Menschen ihre Arztbesuche aus finanziellen Gründen verschieben. Krankheiten verschlimmern sich, werden vielleicht sogar chronisch.

In einer wohlhabenden Gegend wie der DG arm zu sein, stellt Betroffene sogar vor eine besondere Herausforderung. Wer sich in seiner Heimat als Einzelfall fühlt, redet kaum über seine Armut oder verschweigt seine persönliche Situation sogar. In diesem Fall isoliert Armut um so mehr.

Unterschiedliche Risikofaktoren

Die Ursachen für die Umstände, die zu Armut führen, unterscheiden sich in Norden und Süden der DG. In den Gemeinden Eupen, Kelmis, Lontzen und Raeren führt vor allem Arbeitslosigkeit in die Armut. Im Süden erschwert hauptsächlich die mangelnde Mobilität die Lebenssituation von Menschen mit niedrigem Einkommen. Wer kein Auto hat und auf dem Land lebt, ist gezwungen einen Arbeitsplatz in der Nähe zu finden. Allerdings ist die Anzahl die Arbeitsplätze im unmittelbaren Lebensumfeld eingeschränkt.

Forscher sprechen erste Empfehlungen für die DG aus

Nach einer eingehenden Analyse der unterschiedlichen Armutsfaktoren in unserer Region, empfehlen die Forscher folgende Maßnahmen:

  • "Beobachtungsstelle für Armut" einrichten, um Daten zu erfassen und die Entwicklung der Armut zu beobachten
  • Nachschlagewerk der sozialen Dienste erstellen mit den Angaben der Institutionen und der Ansprechpartner (Erzieher, Sozialassistenten, usw.). Dieses Nachschlagewerk soll auch die Rollen und Funktionen der Einrichtungen besser erklären. So wissen Betroffene besser, wer ihnen wie hilft und die sozialen Dienste können besser zusammenarbeiten.
  • Verbesserung der Effizienz und Wirksamkeit der bestehenden Dienste durch Anpassung des Angebots an die Realität vor Ort. Ein Beispiel für eine solche Anpassung ist das Angebot eines Sozialtaxis. Ein weiteres Beispiel ist die Gründung eines Systems sozialer Hilfe für Notfälle außerhalb der Bürozeiten.
  • ein "Ressourcenzentrum" gründen: Eine Kontaktperson oder -stelle soll Wissen zentralisieren bzw. Ansprechpartner verschiedener Dienste vernetzen.

Die Uni Mons ist mit der Durchführung der Maßnahmen beauftragt und wird hierzu einen Endbericht verfassen.

Den jetzigen Zwischenbericht finden Sie im Downloadbereich.