Armut, Prekarität und soziale Verwundbarkeit in Ostbelgien

Uni Mons regt Mittel und Wege an, um Armut in der DG zu bekämpfen

Die Universität Mons untersucht gemeinsam mit dem Forschungsinstitut CeRIS die Armut in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG). Nachdem sie Ende 2014 einen ersten Zwischenbericht vorlegten, ziehen die Forscher im Oktober 2016 endgültig Bilanz.

Ihr Fazit? Sie raten der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu 3 Instrumenten:

  • einer Beobachtungsstelle für Armut
  • einem interaktiven Sozialverzeichnis der DG
  • einem Ressourcenzentrum sozialer Aktion

Die Wissenschaftler haben das Rad NICHT neu erfunden

Ganz im Gegenteil - sie haben die bereits existierenden Dienste und Angebote unter die Lupe genommen. Die Forscher haben analysiert, wie die Klienten die Dienstleistungen zur Armutsbekämpfung nutzen, wie die Zusammenarbeit zwischen den Diensten läuft.

Der zweite Aspekt - sprich das Zusammenspiel unter den helfenden Organisationen - spielt eine elementare Rolle, wenn man effektiv gegen Armut vorgehen möchte. Diese querschnittliche Zusammenarbeit ist allerdings komplex. Deshalb brauchen wir Instrumente. Wie diese aussehen könnten, schildert die Uni Mons in ihrem Abschlussbericht.

Eine Beobachtungsstelle für Armut

Bei diesem Instrument geht es darum, Zahlen zu erfassen. Die Beobachtungsstelle soll regelmäßig Statistiken erstellen, damit Armut, Prekarität und soziale Verwundbarkeit in Ostbelgien bezifferbar werden.

Die Zahlen sollen helfen, die Armut in Ostbelgien zu erfassen, damit wir besser den reellen Bedarf in der Armutsbekämpfung erfassen können. Sie sollen die Basis bilden, um zukünftige Maßnahmen zu beschließen.

Ein interaktives Sozialverzeichnis der DG

Es soll ermöglichen, dass die Dienste Informationen austauschen. Die Einrichtungen sollen untereinander die Angebote/Dienstleistungen und Ansprechpartner kennen.

Ein Ressourcenzentrum sozialer Aktion

Dieses Instrument soll die Nachfrage und das Angebot an Aus- und Weiterbildungen für Menschen, die im Sozialbereich arbeiten, zentral erfassen. Auch sollen sich die Dienste in puncto Arbeitsmethoden gegenseitig bereichern.

Und wie geht es weiter?

Die Universität Mons ist damit beauftragt, die Instrumente auf- und auszubauen. Das Ministerium und die Dienste werden daran aktiv mitarbeiten.

Was ist Armut eigentlich genau?

 

Zunächst denkt man beim Begriff Armut an Menschen, die über wenig Geld verfügen. Offiziell ist man in Belgien einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt, wenn ein Haushalt bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern netto über weniger als 2.274,00 EUR im Monat verfügt (oder eine Einzelperson über weniger als 1.083 EUR). Armut heißt aber auch, wenn Personen nur schwer oder keinen Zugang zu Bildung, Kultur oder Gesundheit haben. Kurzum: Armut hat viele Facetten und hat nicht nur mit einem niedrigen Einkommen zu tun.