Das Ehrenamt – eine der Grundlagen unserer Gesellschaft

Jeden Tag arbeiten in unserem Land Tausende von Vereinigungen in so unterschiedlichen Bereichen wie dem Kampf gegen Armut, Gesundheit, Sport, Kultur oder auch Umweltschutz. Sie leisten einen erheblichen Beitrag zur belgischen Gesellschaft.

2015 beauftragte die König-Baudouin-Stiftung Forscher der Universitäten Lüttich und Gent mit einer quantitativen Analyse, um ein präzises Bild der Freiwilligenarbeit in unserem Land zu erlangen. Sie gingen folgenden Fragen auf den Grund:

Welche Rolle spielt das Ehrenamt in unserer Gesellschaft? Wer sind diese Männer und Frauen, die Zeit und Energie opfern und dabei ihre ganze Sachkenntnis einsetzen? Welche wirtschaftliche Bedeutung hat unbezahlte Arbeit im Verhältnis zum gesamten Tätigkeitsvolumen Belgiens?

  • Ein Achtel (12,5%) aller Belgier sind ehrenamtlich engagiert

Wenn man das informelle Ehrenamt mitrechnet, kommt man sogar auf ein Fünftel (19,4%).

Um zu beziffern, wie viele Menschen sich in Belgien ehrenamtlich engagieren, gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen:

  • Das Gesetz über die Rechte der Freiwilligen sieht nur ehrenamtliche Arbeit vor, die innerhalb einer Organisation verrichtet wird.
  • Die OIT (Organisation internationale du travail) hingegen verwendet eine Definition, die auch Freiwilligenarbeit außerhalb einer Organisation (informelles Ehrenamt) mit einschließt (beispielsweise die Betreuung von Angehörigen, Nachbarschaftshilfe, usw.).

Dadurch ergeben sich unterschiedliche Zahlen bei der Engagementsquote in Belgien.

  • 221 Millionen Stunden – ein starker Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt

Insgesamt leisten die Freiwilligen 221,2 Mio. Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Jahr. Das entspricht 4,1% des jährlichen Beschäftigungsvolumens.

Diese Zahl zeigt deutlich, welches Gewicht die Freiwilligenarbeit für unsere Wirtschaft hat. Zum Vergleich: Diese Zahl liegt weitaus höher als jene des Finanzsektors, der insgesamt 176,3 Mio. Arbeitsstunden erbrachte.

  • Weniger als 20 % der Vereine haben angestellte Mitarbeiter.

  • Sport, Kultur, soziale Dienstleistungen und Bildung sind die dominierenden Bereiche.

  • der typische Freiwillige: zwischen 40 und 49 Jahren, arbeitet und hat Familie

In unserem Land ist der „typische” Freiwillige zwischen 40 und 49 Jahren alt, geht einer Erwerbstätigkeit nach und lebt in einer Beziehung mit Kindern. Sämtliche Bevölkerungsgruppen sind dabei vertreten und im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Senioren proportional nicht häufiger als andere Teile der Bevölkerung vertreten.

  • Die Digitalisierung verhindert nicht das Engagement von jungen Leuten.

Die starke Bedeutung der digitalen Medien hindert junge Menschen nicht daran, sich in der Freiwilligenarbeit zu engagieren: Menschen von 20 bis 24 Jahren sind nämlich genau diejenigen, die am meisten ehrenamtlich arbeiten.

  • Der Abstand zwischen männlichen und weiblichen Freiwilligen hebt sich langsam auf, Männer dominieren aber immer noch die Leitungspositionen.

  • 58% der ehrenamtlichen Tätigkeit erbringen Menschen, die einen Hochschulabschluss besitzen.

Die Studie mit allen Details finden Sie unter Downloads.