Forum zum Thema "niederschwellige Erziehungs- und Familienberatung"

Sind die sozialen Dienste für Familien in Ostbelgien gut aufgestellt?

Fast 60 Mitarbeiter aus ostbelgischen Diensten mit Leistungen für Familien stellten sich am 21. März im Europasaal des ostbelgischen Ministeriums dieser Frage. Informative Impulsreferate und zielgerichtete Workshops sorgten für effektive Ergebnisse.

"Wir möchten Familien stärken"

Mit diesem Ziel starteten die Teilnehmer in einen ereignisreichen Tag voller Informationen und Diskussionen. Zunächst stellte Noemie Pfeiffer, Referentin für Familienpolitik, die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage „niederschwellige Erziehungs- und Familienberatung“ vor. Darauf folgten drei inspirierende Impulsreferate über erfolgreiche Projekte.

Arbeit im sozialen Brennpunkt!

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Seit 23 Jahren gibt es die Einrichtung Lichtblick Hasenbergl in einem armen, bildungsfernen Viertel im Münchener Norden. Dörthe Friess und Johanna Hofmeier, Leiterinnen der Organisation, berichteten, wie es dennoch gelingen kann, Kontakt und Vertrauen zu schwer erreichbaren Eltern aufzubauen und so einen Grundstein für verbesserte Chancen der Kinder zu legen.

Rund 90 Kindern kommt die intensive Betreuung, die an die öffentlichen Angebote anschließt, zugute. Die Begleitung erfolgt bei Bedarf bis zum 25. Lebensjahr. Die Erfolgsquote kann sich sehen lassen: 50 % der Jugendlichen beenden die Schullaufbahn mit einem mittleren Abschluss!

„Wir wollen, dass die Kinder in der Welt zurecht kommen.“

Deshalb bietet David Cornet einen Rahmen der Sicherheit und der Unterstützung für die Kinder und ihre Familien. Der Soziologe, Anthropologe und Sozialassistent kämpft seit 2004 beim Projekt AMO Latitude J  im belgischen Battice für dieses Ziel. Zuhören, bei Problemen begleiten und dadurch das Selbstwertgefühls steigern. Die Kinder entwickeln bessere soziale Kompetenzen, haben ein gesünderes und gewaltfreies Leben.

AMO bietet ein Angebot vor Ort, aber auch Arbeit in den Familien wird realisiert. Cornet möchte das Angebot dort platzieren, wo die Jugendlichen sind: in den Schulen, aber auch in Sportvereinen und überall dort, wo sie anzutreffen sind.

Eltern-Kind-Bildung in Ostbelgien!

Doris Falkenberg, Koordinatorin frühkindliche Entwicklung bei Kaleido Ostbegien, stellte ein Projekt aus Feldbach in Österreich vor. Ein Vorbild für Ostbelgien? Das interessante Konzept arbeitet mit finanziellen Anreizen und erreicht eine sehr gemischte Elternschaft. Ostbelgien bietet bereits Angebote im Bereich Eltern-Kind-Bildung – Bausteine auf dem Weg zu „wieder mehr Gemeinschaft“, ein Vorsatz, der hohen Präventionscharakter hat.

Viele neue Impulse für die anschließenden Workshops!

Voller Ideen und Tatendrang arbeiteten die Teilnehmer im Anschluss in drei Arbeitsgruppen intensiv an unterschiedlichen Aufgabenstellungen. Danach wurden die Ergebnisse präsentiert.

Das Fazit: Es gibt schon eine ganze Menge an Hilfsangeboten in Ostbelgien, so das übereinstimmende Ergebnis. Allerdings noch nicht genug - und nicht immer sind Dienste und Leistungen bekannt. Von der Präsentation auf einem Markt der Möglichkeiten über ein Sozialdatenbankverzeichnis für soziale Dienste bis hin zur Gründung von Projektgruppen – viele Ansätze wurden entwickelt.

Was steckt hinter dem Begriff "niederschwellig"?
 
Es gibt keine wissenschaftliche Definition für das Wort. Niederschwellig beschreibt eine Methode in der sozialen Arbeit, die einen hürdenfreien und einfachen Zugang zu einem Dienst oder Organisation beschreibt. Konkret gemeint ist zum Beispiel, dass ein Dienst schnell, zeitlich, räumlich und inhaltlich sehr gut erreichbar für sein Zielpublikum ist.