Kunstsammlung - Werkvorstellung

Willy Emonts - Maler und Architekt

Wer einmal die Muße hatte die lauschigen Ecken der Unterstadt zu Fuß zu erkunden, wird schnell erraten, wo der Maler diese Ansicht aufs Papier bannte. Aber ist das wichtig? Wir werden sehen.

"Haasberg"
Aquarell von Willy Emonts

Im Vordergrund erkennen wir den steil abfallenden Haasberg, der etwas weiter auf die Edelstraße und die Unterstädter Haasstraße trifft. Und dahinter? Beinahe unkenntlich, großenteils durch einen grell leuchtenden Laubbaum in der Bildmitte verborgen, ein paar Häuser der Unterstadt. Selbst der etwas blass wirkende Turm der St. Josefkirche scheint um seinen Platz und die Aufmerksamkeit des Betrachters kämpfen zu müssen. Eindeutig dominiert die Vegetation. Ganz besonders die hoch geschossene, windgebeugte Esche in der linken Bildhälfte: Sie beherrscht durch ihre Größe und Dynamik das gesamte Bild, gemeinsam mit der Straßenkurve, die dem Schwung des Baumes Vorschub leistet. Fast scheint das Gefüge im Kreis wirbeln zu wollen! Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Form der Tannenzweige rechts im Bild und durch das „Weißlassen“ der unteren Bildecken. Nicht zuletzt trägt auch der bewegte, etwas düstere Himmel zur Unruhe des Bildes bei.

Etwas oberhalb und nur wenige Meter links von dieser Szenerie, also außerhalb des vom Maler gewählten Ausschnittes, befindet sich die altehrwürdige Moorenhöhe, von deren Brüstung aus seit jeher einheimische Schwärmer wie fotografierende Touristen die einmalige, ungestörte Aussicht auf die gesamte Unterstadt und den nahen Hertogenwald genießen.

Insbesondere bezüglich der Motivwahl ist Willy Emonts Bild also recht eigensinnig. Ganz bewusst vermied der Künstler das allzu bekannte Panorama von der Moorenhöhe - und damit auch eine „richtige“ Stadtansicht. Stattdessen fing er einen kleinen Flecken beinahe wild wirkender Natur inmitten der Stadt ein, wodurch das Bild seinen ruhelos-romantischen Charakter erhält.

Der Eupener Architekt Willy Emonts, im Volksmund wegen seiner eigenwillig unsymmetrischen Gebäudeentwürfe auch „Ecken-Willy“ genannt, hat sich erst spät zu einer zweiten Karriere, der des Malers, berufen gefühlt. Seine wohl bekanntesten Aquarelle entstanden bei Reisen durch Griechenland und die Toskana.

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