Auf „Schatzsuche“ im Töpfereizentrum Raeren

Ministerium begleitet Baustelle an der Hauptstraße

In Raeren gibt die Geschichte den Ton an! Oder eher der Ton die Geschichte! Denn als bedeutendes Töpfereizentrum hat sich der kleine ostbelgische Ort einen Namen gemacht. Noch heute werden dort viele historische Fabrikate gefunden, unter anderem auf Baustellen.

Das Töpfereimuseum in Raeren dokumentiert sehr anschaulich die jahrhundertelange Töpfereikunst des kleinen ostbelgischen Örtchens. Insbesondere das Raerener Steinzeug in Form von Kacheln, Krügen Figuren, Murmeln, Schalen und Töpfen, das überwiegend aus dem Mittelalter stammt, ist über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.

Experten sind sich sicher, dass unzählige Schätze immer noch tief unter der Erde schlummern. Denn nicht nur in Privatgärten, auf frisch gepflügten Äckern oder Wiesenflächen werden bei Zufallsfunden regelmäßig die einen oder anderen tönernen Kunstwerke oder „Überbleibsel“ in Form von Scherben ans Tageslicht befördert.

Rettungsgrabungen auf Baustellen

Das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft nutzt auch diverse Baustellen, um einen Blick unter die Erde zu werfen. Hierbei handelt es sich um sogenannte „Rettungsgrabungen“. „Wie der Name bereits verrät, versuchen wir bei solchen Aktionen zu retten, was zu retten ist. Dennoch ist uns dabei wichtig, die Baustelle so wenig wie möglich zu verändern“, erklärt Audrey Olbertz vom archäologischen Dienst.

Bisher hat der seit dem Jahr 2000 aktive archäologische Dienst neben gezielten Forschungsgrabungen auch bei Rettungsgrabungen an folgenden Orten aufschlussreiche Funde gemacht:

  • Am Plei
  • Schulstraße
  • Grachtstraße
  • Heckstraße/Marienthalstraße

Wichtige Dokumentationsarbeit

Jüngstes Beispiel ist die Baustelle an der Hauptstraße Raeren. Von Anbeginn im Oktober 2018 war das Ministerium dort involviert. Bauarbeiter wurden darüber hinaus für eventuelle Funde sensibilisiert.

„Die Zusammenarbeit mit den Bauarbeitern und der Gemeinde Raeren hat hervorragend funktioniert“, resümiert Audrey Olbertz. Relevante Funde wie Töpferwerkstätten, Töpferhöfen und Töpferräder wurden zwar nicht zutage gefördert, dafür aber einige Tonscherben, die wie weitere Puzzleteile das große Kulturerbe Ostbelgiens Stück für Stück komplettieren. „Wir wissen nie, was uns bei solchen Projekten erwartet. Baustellen bieten uns jedoch eine gute Möglichkeit, ohne viel Kostenaufwand Forschungen durchzuführen“, so Audrey Olbertz. Eine wichtige Dokumentationsarbeit.

Muss ich Zufallsfunde melden?

Aber was ist eigentlich zu tun, wenn man selbst ein archäologisch bedeutsames Objekt findet? Laut Gesetzgebung muss jeder Zufallsfund gemeldet werden, auch auf privaten Grundstücken. Hier gibt es dafür ein eigenes Formular. Ganz wichtig: Jeder Fund ist für die Wissenschaft von Bedeutung!

Das Ministerium nimmt die Stätte und die Funde in sein Inventar auf und dokumentiert alle Entdeckungen. Dies hilft dabei, weitere Einblicke in die Siedlungsgeschichte der Deutsprachigen Gemeinschaft zu gewinnen. Dadurch kann das gemeinsame Kulturerbe besser verstanden und erhalten werden.

Apropos: Wenn Sie einen Bodenfund auf Ihrem Privatgelände entdecken und melden, wird Ihnen der Fund nicht weggenommen. Der archäologische Dienst untersucht, dokumentiert, erforscht und veröffentlicht seine Resultate, aber der Finder bleibt in diesem Fall weiterhin Eigentümer der Objekte.