16.05.2018

Pädagogische Mitteilung

Rege Teilnahme beim REK-Zukunftskongress am 27. April 2018 in St. Vith

Mit neuen Ergebnissen und frischen Ideen in die dritte Umsetzungsphase

Ostbelgien leben 2025“ – unter diesem Leitgedanken wurde 2009 das Regionale Entwicklungskonzept (REK) für die Deutschsprachige Gemeinschaft initiiert. Eine Standortbestimmung wurde nun am 27. April 2018 beim Zukunftskongress vorgenommen.

Rund 150 Mitarbeiter aus Regierung und Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft kamen an diesem Tag ins Triangel nach St. Vith, um

  • verschiedene Impulsreferate rund um das REK zu hören
  • sich über den aktuellen Stand des REK zu informieren und
  • neue Ideen einzubringen.

Aus Stolpersteinen Trittsteine machen

Den Auftakt nach der Begrüßung durch Ministerpräsident Paasch machte die österreichische freischaffende Raumwissenschaftlerin Prof. Dr. Gerlind Weber mit dem Impulsreferat „Herausforderungen ländlicher Räume“. Sie beleuchtete die vielfältigen Probleme, die in ländlichen Gebieten vorherrschen und demonstrierte diese anhand der folgenden „Stolpersteine“:

  • neoliberale Globalisierung,
  • demografischer Wandel und selektive Abwanderung,
  • Digitalisierung und Robotik,
  • Klimawandel,
  • Energiewende.

Auf der Basis von konkreten Zielen wandelte sie die „Stolpersteine“ in „Trittsteine“ mit konkreten Handlungsempfehlungen um. Zum Abschluss ihres Vortrags knüpfte sie auch an das REK an. Ihr Fazit: Es ist gut, dass ein solch umfangreiches Konzept vorliegt. Nachholbedarf sieht sie in der Kooperation mit Gemeinden, NGOs und der Bürgerschaft.

Nachhaltigkeit als Strategie

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Harald Heinrichs von der Leuphana Universität Lüneburg in seinem Vortrag „Zukunftsgestaltung in unübersichtlichen Zeiten“ die zentrale Frage: Macht die Entwicklung von nachhaltigen Strategien in einer Welt, die immer unübersichtlicher zu sein scheint, überhaupt Sinn? Nach einem theoretischen Exkurs zum Begriff „Nachhaltigkeit“ zeigte auch er konkrete Handlungsempfehlungen auf. Dazu unterschied er zwischen Nachhaltigkeitsstrategien auf globaler, nationaler und kommunaler Ebene und nahm vier Punkte in den Fokus:

  • Nachhaltigkeitsverständnis,
  • Nachhaltigkeit und Demokratie,
  • Nachhaltigkeit und Verwaltung,
  • Nachhaltigkeit und politische Steuerung/Gestaltung.

Die Workshops

Am Nachmittag teilten sich die Teilnehmer auf fünf von Experten begleitete fachspezifische Workshops auf, die nachfolgend kurz zusammengefasst sind.

  • Wie kann Fachkräftesicherung in kleinen Regionen gelingen? Erfahrungen des Innovationsbüros „Fachkräfte für die Region“ (Referent: Jan Kuper, Deutschen Industrie- und Handelskammertag)

Jan Kuper verdeutlichte, dass alle Aktionen, die regionale Fachkräfte halten, die Ausbildung neuer Fachkräfte fördern oder Fachkräfte von außen anziehen, auf regionaler Ebene organisiert werden müssen. Gelingen kann dies über den Zusammenschluss von regionalen Akteuren aus Wirtschaft und Verwaltung. Sein Tipp für funktionierende Netzwerke: Der Fokus sollte auf konkreten Einzelaktionen mit guten Erfolgsaussichten liegen.

  • Energiewende – Gestaltungsmöglichkeiten auf regionaler Ebene (Referent: Wolfram Sparber, Institut für Erneuerbare Energie (eurac research))

Wolfram Sparber machte deutlich, dass ein Klimaplan zugleich ein Wirtschaftsplan ist. Anhand des strategischen Energieplans von Südtirol wurden zahlreiche Methoden aufgezeigt. Durch Fernwärmesysteme, Photovoltaikanlagen, Elektro-Autos, Energiespeicherung und vieles mehr kann der CO2-Ausstoß in Ostbelgien deutlich reduziert und zugleich ein Anstieg der Kosten vermieden werden.

  • Gemeinsam gegen Armut – Netzwerkarbeit in der Armutsprävention (Referent: Prof. Dr. Jörg Fischer, Fachhochschule Erfurt)

Armut hat viele Gesichter. Deren Bekämpfung kann laut Prof. Dr. Jörg Fischer am effektivsten durch die Vernetzung verschiedener Hilfsdienste gelingen. Im Workshop wurden verschiedene Facetten der Armut aufgezeigt und zudem theoretische und praktische Ansätze zur verbesserten Zusammenarbeit mit den Betroffenen selbst sowie zwischen den Hilfsdiensten erläutert. Den Fokus legte Prof. Fischer auf die Chancen, Potenziale und Herausforderungen bei der Vernetzung. Auf diese Weise konnten neue Impulse für die ostbelgische Armutsprävention erarbeitet werden.

  • Wege für die Förderpädagogik an Sekundarregelschulen (Referentin: Andrea Herrmann, Freie Hansestadt Bremen)

Andrea Herrmann berichtete aus ihren eigenen Erfahrungen als Sonderpädagogin, Schulleiterin und ministerielle Sonderbeauftragte im Stadtstaat Bremen. Sie hat unter anderem erläutert, was genau unter Förderpädagogik zu verstehen ist und gab praktische Tipps zur Umsetzung. Anschließend fand ein Erfahrungsaustausch in Kleingruppen mit abschließender Präsentation der Ergebnisse statt.

  • Soziale Arbeit im digitalen Wandel – welcher Mehrwert für die Selbstbestimmung? Die Evangelische Stiftung Hephata als Fallbeispiel (Referent: Christian Dopheide, Evangelische Stiftung Hephata)

Christian Dopheide, theologischer Vorstand der Evangelischen Stiftung Hephata, setzte die Begrifflichkeiten „Selbstbestimmung“ und „Digitalisierung“ in eine spannende Verbindung. Dies tat er am Beispiel der Entwicklung der Stiftung Hephata und ihrer sozialen Dienstleistungsangebote in den letzten 20 Jahren. Digitale Lösungen in der sozialen Arbeit nehmen dabei eine immer größere Bedeutung ein. Mit Blick in die Zukunft konnten so Chancen und Risiken digitaler Lösungen aufgezeigt werden.

Fazit durch FUTOUR

Im Anschluss an die Workshops fasste Dr. Johannes von Korff von der FUTOUR Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung die bisherigen Ergebnisse des REK in seinem Vortrag kurz zusammen, wobei seine Zwischenbilanz durchaus positiv ausfiel. Dazu gab er einen kurzen Ausblick zu den Themen und Herausforderungen der dritten Umsetzungsphase (2019 bis 2024). Auch in REK III werden die 2009 für Ostbelgien definierten REK-Regionen (Grenzregion, Wirtschaftsregion, Bildungsregion, Solidarregion und Lebensregion) die Basis für die konkreten Umsetzungsmaßnahmen bilden.

Ausblick

Der REK-Zukunftskongress brachte viele neue Erkenntnisse rund um das Regionale Entwicklungskonzept. Zahlreiche Themen wurden angesprochen, diskutiert und vorgestellt. Die Ergebnisses des Tages werden in den nächsten Wochen und Monaten ausgewertet und sollen in die Erarbeitung der Themen des Dritten Umsetzungsprogramms des Regionalen Entwicklungskonzepts (REK III) einfließen.

Weitere Informationen

Sollten Sie weitere Informationen zum Zukunftskongress „Ostbelgien leben 2025“ oder zum Regionalen Entwicklungskonzept im Allgemeinen wünschen, wenden Sie sich bitte an den zuständigen Referenten für Regionalentwicklung (Kontaktdaten unter „Ansprechpartner“ in der Rubrik „Mehr zum Thema“).