Sozialbetriebe: Wo Lebenswege begleitet werden

Die Geschichte von Kezban und Yannick

Was haben ein 19-jähriger Junge aus Flandern und eine dreifache Mutter aus dem Osten der Türkei gemeinsam? Auf den ersten Blick sehr wenig. Und doch: Beide verdanken der Sozialwirtschaft in Ostbelgien vielversprechende berufliche Perspektiven.

„Ich will unbedingt arbeiten“, sagt Kezban (40), leise aber nachdrücklich. „Ich möchte nicht von der Sozialhilfe abhängen. Das ist nicht das Leben, das ich mir vorstelle. Ich möchte unabhängig sein und meinen Kindern ein Vorbild sein.“

Wer stellt mich ein?

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Die Zeit bei DABEI hat Kezban neue Türen geöffnet.

Die dreifache Mutter ist vor fünf Jahren nach Ostbelgien gekommen. In ihrer türkischen Heimat, unweit der Grenze zu Syrien, konnte und wollte sie nicht bleiben. Die ostbelgische Eifel wird ihr neues Zuhause. Als gelernte Frisöse hofft sie darauf, hier einen Job zu finden. Doch leider ohne Erfolg. Sie kennt hier niemanden, und niemand kennt sie. Wie soll es weitergehen?

Im ÖSHZ St.Vith wird Kezban geraten, sich im Sozialbetrieb DABEI VoG zu melden. Dort biete man verschiedene Weiterbildungen an und könne ihr beim Wiedereinstieg in den Beruf mit Rat und Tat zur Seite stehen. Tatsächlich schnuppert Kezban in verschiedene Gewerke hinein, arbeitet in der Küche sowie im Second-Hand-Laden von DABEI. Es macht ihr viel Spaß, sie belegt außerdem einen Französischunterricht.

Bei DABEI lernt Kezban viele Menschen kennen. Viele Ostbelgier, viele Zugezogene, Jung und Alt. Einer der über hundert Teilnehmer ist Yannick.

Von Flandern nach Amelscheid

Yannick, 19 Jahre alt, redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Ich komme aus

„Das Leben ist mehr, als nur arbeiten, wo du keinen Bock drauf hast. Das Leben ist jetzt viel schöner!“ Yannick, auszubildender Restaurateur

Flandern, aber ich wollte da weg, weil ich viel Scheiße mit Drogen gebaut habe.“ Also zog er im Sommer 2017 zu seinen Großeltern in die Eifel. Sie rieten ihrem orientierungslosen Enkel, sich beim Sozialbetrieb DABEI zu melden. Gesagt, getan.

„Das war der Durchbruch“, gesteht Yannick. „Ich habe fast ein Jahr lang Ausbildung in der Küche von DABEI gemacht. Kochen war schon immer meine Leidenschaft. Anleiterin Erika hat mir sehr viel beigebracht“. Dann wird es arbeitstechnisch konkreter: Zuerst kommt ein Praktikum in Schönberg. Anschließend das Vorsprechen für eine Lehrstelle im St.Vither Traditionshaus Pip-Margraff. Nach einem Praktikum im Mai 2018 kann Yannick schon im August jubeln: „Ich habe die Lehrstelle, ja!“

beratend - menschlich - ansprechbar

Die Zeit bei DABEI hat Yannick und Kezban neue Türen geöffnet. Dafür sind beide sehr dankbar. Kezban hat die Mitarbeiter von DABEI mit ihrer Arbeitsfreude und ihrem Engagement so überzeugt, dass sie jetzt deren Kollegin wird. „Das freut mich sehr“, gesteht die 40-Jährige. „Jetzt kann ich endlich richtig arbeiten, mein eigenes Geld verdienen“. Fortan arbeitet Kezban bei DABEI als Assistentin von Küchenchefin Erika, die auch Yannick ausgebildet hat.

Der 19-Jährige kommt regelmäßig vorbei, um sich mit den ehemaligen Kollegen auszutauschen: „Sie sind mehr als nur Kollegen, sie sind auch ein bisschen Freunde geworden.“ Yannick ist dankbar für sein jetziges Leben, denn „alleine hätte ich das nie geschafft“. Wenn alles klappt, ist er in drei Jahren ausgebildeter Restaurateur. Fit als Koch wie auch im Service. Und mit Gesellenbrief.

Eine Übersicht aller Sozialbetriebe finden Sie unter den weiterführenden Links.

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