13.01.2020

Pädagogische Mitteilung

Am 29. Januar in Eupen, Kelmis, Bütgenbach und Sankt Vith

25. Schwimmmarathon: Die graue Eminenz Colette Renardy verlässt den Beckenrand

Erneut schmeißt sich Ostbelgien für den guten Zweck ins Badedress. Unsere Kollegin Colette zieht zum letzten Mal die Fäden im Hintergrund. Sie hat aus dem Nähkästchen der traditionsreichen Benefizveranstaltung geplaudert.

Frage: Wie würdest du den Schwimmmarathon in drei Worten beschreiben?

Schwimmen. Spenden. Gutes Tun.

Schwimmen auch Sie am 29. Januar auf der Welle der Solidarität mit!

 

Seit 1995 schmeißen sich Freiwillige im Januar ins Badedress und ziehen Bahnen, um gegen die neue Armut in Ostbelgien zu kämpfen. Pro Länge spenden die Lions Clubs Eupen und St. Vith 20 Cents. Jeder kann in Eupen, Kelmis, Bütgenbach oder Sankt Vith an den Start gehen.

 

Wer sich nicht ins kühle Nass begeben kann oder will, hat die Möglichkeit übers Spendentelefon sein Scherflein beizutragen. Der lokale Radiosender BRF richtet jedes Jahr eine Hotline ein und nimmt so Spendenversprechen entgegen.

 

Detaillierte Informationen stehen im weiterführenden Link.

Frage: Seit wann bist du dabei? Was machst du genau?

2000 war ich zum 1. Mal dabei. Dieses Jahr ist also mein 20. Jahr und ich habe mein ganz persönliches Jubiläum.

Am Anfang habe ich meine Kollegen begleitet und da geholfen, wo Not am Mann war: Bahnenzählerzettel einsammeln, Geschenke der Krankenkassen verteilen, Kinder empfangen und zuweisen.

Peu à peu bin ich immer mehr eingestiegen, auch mit neuen Ideen und Vorschlägen und habe schließlich die Organisation bzw. Koordination im Büro übernommen. Gemeinsam mit den Kollegen und den Akteuren – sprich die Lions Clubs, BRF und Grenz-Echo - habe ich den Schwimmmarathon immer weiterentwickelt. Mit der Zeit bin ich zur selbstständigen Macherin geworden..

Frage: Hast du in den 20 Jahren besonders schlimme oder schöne Momente erlebt?

Wir hatten lange Zeit Angst, dass das Interesse am Schwimmmarathon schwindet und das Ganze irgendwann abebbt. Wider Erwarten ist das nicht eingetreten. Im Gegenteil: Wir sind immer aufs Neue nach vorne geprescht.

Wie fühlst du dich, wenn man dich als graue Eminenz des Schwimmmarathons bezeichnet?

 

Ich find‘ das lustig. Allerdings trifft es zu: Denn erstens bin ich alt und zweitens grau. (Lachen) Aber effektiv: Was die Organisation in und um die Bäder anbetrifft, laufen die Fäden zu 95 % bei mir zusammen

Es gab immer wieder Mal Umstände, die den Erfolg des Schwimmmarathons bedrohten. Beispielsweise war Ostbelgien einmal von jetzt auf gleich völlig zugeschneit, so dass wir Angst um unsere Kinder und Busse hatten. Als der Tsunami war, dachten wir, dass das Geld eher nach Asien fließt. Aber im Gegenteil: Die Ostbelgier spendeten um so mehr, weil sie sicher waren, wo der Erlös ankam. Einmal gab es eine Grippewelle und halb Ostbelgien lag flach. Natürlich gab es auch kleinere Angstmomente bzw. Pannen wie Computerabsturz, Stromausfall, …

Was die schönen Momente anbetrifft, habe ich meine ganz persönliche Anekdote. Bernd Gentges, damaliger Sportminister, war ein sehr guter Läufer, aber ein wirklich schlechter Schwimmer. Deshalb schloss er eine Wette mit uns ab: Er wollte ein Jahr lang trainieren, um 100 Längen schwimmen zu können. Gesagt, getan. Am Tag selbst war er schon um 6:00 Uhr am Start. Allerdings hatte er einen Wadenkrampf, woraufhin ich ihm die Beine massiert habe. Seitdem stellt er mich überall als seine private Masseuse vor.

Von dieser Geschichte sprechen wir heute noch und lachen darüber. Und sie ist einer dieser vielen lustigen Momente, wie sie typisch für den Schwimmmarathon sind. Sie beschreibt auch schön, was sich die Teilnehmer – ob Clubs, Triathleten oder Schulen - vornehmen und ausdenken, welche Herausforderungen sie sich selber stellen. Auch die familiäre Stimmung, die entstandenen Freundschaften machen das Besondere am Marathon aus.

Ja genau, der Schwimmmarathon ist sehr intensiv und stressig und gleichzeitig eine Aneinanderreihung schöner Momente.

Frage: Wie fühlt es sich an, zum letzten Mal dabei zu sein? Wirst du in einer anderen Rolle ab 2021 mitmachen?

Jetzt in der Vorbereitungszeit versuche ich vor allem, jeden Arbeitsschritt akribisch aufzuschreiben, damit meine Nachfolger wissen, was zu tun ist. Das ist zurzeit meine größte Sorge.

Am Schwimmmarathon selbst heißt es natürlich: Wenn er vorbei ist, dann ist es definitiv vorbei. Ich freue mich natürlich auf diesen Tag, bin aber auch traurig, dass ich danach aussteige.

Allerdings wissen alle, dass ich zur Verfügung stehe, wenn sie mich brauchen oder etwas wissen müssen. Wenn man mich fragt, komme ich – ob als Bahnenzähler, am Telefon oder wo auch immer. Ansonsten würde ich mir das Ganze am Radio Zuhause anhören und gespannt verfolgen, was draus wird. Vor allem wünsche ich mir, dass meine Nachfolger die Sache mit so viel Herzblut angehen wie ich.

Frage: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Zum 1. April 2020 gehe ich definitiv in Rente und ich habe schon genaue Pläne. Zuerst stehen Umbauarbeiten Zuhause an. Ich möchte mich ehrenamtlich engagieren. Seit Oktober sitze ich ein paar Stunden an der Rezeption im Raerener Marienheim, was ich wahrscheinlich noch ausbauen werde. Und ich werde mir mehr Zeit für Freundinnen nehmen zum Wandern oder Quatschen.