Kein Sprint, sondern ein Marathon

Der Startschuss von LOS ist gefallen, das Team ist komplett

Am 13. Mai 2020 wurde der Leitverband des ostbelgischen Sports gegründet. Im Interview berichten Nathalie Beerden, Geschäftsführerin, und Alexander Fickers, Präsident, von der Arbeit beim neuen Dachverband. Eines steht fest: Es gibt noch viel zu tun.

Dachverband_LOS
Alexander Fickers, Nathalie Beerden

Der Leitverband des ostbelgischen Sports (LOS) wurde im Mai 2020 als VoG gegründet. Im Oktober 2020 haben Nathalie Beerden und Alexander Fickers bereits ihre Büros in der Eupener Sportkaserne im Ortsteil Bellmerin teilweise bezogen. Im Interview gehen beide auf den neuen Dachverband ein.

Wie war der Start von LOS?

Beerden: Wir haben langsam, aber gründlich begonnen. Von Beginn an habe ich viel Wert darauf gelegt, mir einen guten Überblick über die Situation in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu verschaffen. Was möchten wir erreichen? Wo werden wir investieren? Was ist nötig? Wo ist Bedarf? Diesen Raum und diese Zeit werden auch die sechs Mitarbeiter erhalten, die zusätzlich bei LOS eingestellt werden. Dabei haben wir zwei Bereiche im Blick: Auf der einen Seite das Förderzentrum, den Spitzensport und die Talente, auf der anderen Seite den Breiten- und Gesundheitssport sowie die Aus- und Weiterbildung.

Fickers: Wir mussten erst einmal schauen, wie wir uns positionieren. Unser oberstes Ziel: Den Sport in Ostbelgien zu professionalisieren, insbesondere die Begleitung des ehrenamtlichen Sports. Daher war die Suche nach dem richtigen Personal für uns der allererste wichtige Schritt. Nur so können wir die Dinge, die wir uns vorgenommen haben, auch umsetzen.

Wie gestaltet sich Ihre Arbeit in Zeiten von Corona?

Fickers: Natürlich ist auf der Kontaktebene vieles schwieriger geworden. Aber trotz Corona konnten und können wir uns intensiv in alle relevanten Themen einarbeiten. Auch haben wir am Gründungsdatum der VoG LOS am 13. Mai 2020 festgehalten. Leider konnten wir vorab nicht alle Verbände persönlich treffen, um ihnen unser Konzept vorzustellen.

Beerden: Der Aufbau ist in der Tat etwas schwieriger, weil die Kontaktaufnahmen stark eingeschränkt sind. Vieles läuft digital. Aber es ist auch unsere Aufgabe, während der Corona-Pandemie zu beraten und den Sport in dieser Zeit fortzuführen, wenn auch anders. Daher werden wir uns auch mit dem Bereich E-Sport beschäftigen: Wie können wir diese Plattform für den Sport nutzen und mit Bewegung verbinden, gerade in der jetzigen Zeit?

Was reizt Sie an Ihren Aufgaben bei LOS?

Fickers: Der Aufbau von LOS als VoG und später als Dachverband war generell ein schöner Prozess. Da LOS kein politisches, sondern ein gesellschaftliches Projekt ist, hatten und haben wir Unterstützung von allen Seiten, auch vom Ministerium. In gewisser Weise war es für mich auch ein persönlicher Weg. Vor LOS war ich Präsident des Sportrates der Deutschsprachigen Gemeinschaft, seit Jahren arbeite ich als Osteopath. Diese Kombination hat mir gezeigt, wie wichtig Sport ist – auch im Hinblick auf den Aspekt Gesundheit. Dies nach außen zu präsentieren, macht enorm viel Spaß.

Beerden: Wir möchten die Menschen vom Kind, das man noch spielen lässt, über das Schulkind, wo man schon erste Talente erkennt, bis ins Erwachsenenalter begleiten. In erster Linie macht man Sport, um gesund zu bleiben. Aber wenn jemand wirklich gut ist, muss man ihm auch die Chance geben, besser zu werden und ihn fördern. Es wurde bereits viel getan und es ist viel vorhanden, aber es muss alles ein bisschen besser strukturiert werden. Und strukturiert arbeiten ist kein Problem für mich als ehemalige Kommandantin des Königlichen Militärinstituts für Leibeserziehung in Eupen. Auf diese vielfältigen Aufgaben freue ich mich sehr!

An wen richtet sich LOS?

Beerden: Der Gesundheitsaspekt bezieht alle Alters- und Bevölkerungsgruppen mit ein. Deshalb betrachten wir bei LOS den Sport als Ganzes und sprechen von Sport UND Bewegung. Aus dem Grund haben wir nicht nur den Spitzensport im Blick, sondern alle Menschen, Vereine und Verbände in Ostbelgien. Rund 77.000 Menschen leben in Ostbelgien, davon gehören ca. 20.000 einem Verein oder Verband an. Eine Herausforderung wird es auch sein, die übrigen Menschen zu erreichen. Genauso wenig fokussieren wir uns nur auf eine bestimmte Sportart, sondern möchten alle Sportarten, die in Ostbelgien ausgeübt werden, mitnehmen.

Fickers: Aber nicht nur die Aktiven möchten wir unterstützen, sondern auch die Menschen, die ehrenamtlich in den Vereinen und Verbänden tätig sind. Wir möchten sie ein Stück weit von den vielen administrativen Tätigkeiten befreien, damit sie sich wieder um ihr Kerngeschäft kümmern können. Auch an einer eigenen Webseite arbeiten wir. Dort sollen alle Informationen zum Bereich „Sport und Bewegung in Ostbelgien“ gebündelt werden. Denn die sportliche Vielfalt in Ostbelgien ist gewaltig! Schließlich möchten wir auch die Kooperationen mit den Schulen intensivieren, um bereits dort Bewegungsmangel vorzubeugen. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, Vereine dabei zu unterstützen, die Nähe zu Schulen zu suchen. Ein schönes Beispiel in diesem Bereich ist die Ausbildung von Schülern zu Schulassistenten.

Neben dem Breitensport haben Sie aber auch den Spitzensport im Blick. Wie genau?

Fickers: Dreh- und Angelpunkt in diesem Bereich sind bislang noch die vier Leistungszentren, die bis Ende 2021 in der bisherigen Form bestehen bleiben. Ab 2022 wird es nur noch ein zentrales Förderzentrum geben. Über das Sportdekret haben wir einheitliche Basiskriterien definiert, die erfüllt sein müssen. Auf der Basis kann ein Sportfachverband – gerne mit unserer Unterstützung – ein Sportförderkonzept einreichen, das einer externen Jury vorgelegt wird, die ein Gutachten erstellt. Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft entscheidet über die Annahme des Sportförderkonzeptes. 80 % der Kosten, die mit der Abteilung Förderzentrum verbunden sind, werden von der Deutschsprachigen Gemeinschaft übernommen. Die restlichen 20 % muss der Verband tragen. Aus dem Radsport gibt es zum Beispiel schon eine konkrete Anfrage, eine neue Abteilung zu eröffnen.

Zu guter Letzt: Wie werden die Kader zukünftig organisiert?

Beerden: Die Kriterien für die Kaderzugehörigkeit von Einzelsportlern in Ostbelgien fielen in der Vergangenheit sehr unterschiedlich aus, weil die Verbände diese jeweils selbst aufgestellt hatten und sich an den Kriterien in der Wallonischen Region orientiert haben. Dies soll nun nicht mehr der Fall sein, damit alle dieselbe Chance bekommen. Neben dem A-, B- und C-Kader wird es zukünftig auch ein Nachwuchskader geben, wo junge anerkannte Talente ganz ohne Leistungsdruck gefördert werden.