Gesundheit

Die vollständige Demenzstrategie ist jetzt als Download verfügbar

Erste Demenzstrategie für Ostbelgien steht: Was bedeutet das konkret?

Ostbelgien soll eine demenzfreundliche Region werden, indem alle ihre Kräfte bündeln - Menschen mit Demenz, Angehörige, Ehrenamtliche, Fachpersonal. Nun gilt es, die Strategie und ihre sechs Handlungsfelder gemeinsam und kreativ mit Leben zu füllen.

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„Die Medizin erlebt Demenz als Niederlage, die Pflege als Überforderung, die betroffenen Familien nachvollziehbar als Last und Not. Meistens jedenfalls. Die Beschäftigung mit dem Thema löst immer noch Abwehr aus – es sollen doch bitte die anderen sich darum kümmern, die Pflegeheime und die Angehörigen – und Ängste – hoffentlich nicht bei mir oder in meiner Familie.“ So schildert ein Vortrag bei der Tagung des Deutschen Ethikrates 2010 das Thema Demenz.

Genau das soll in Ostbelgien anders sein bzw. werden. Die Demenzstrategie möchte mit Tabus brechen und ermöglichen, dass wir in der Deutschsprachigen Gemeinschaft offen und würdevoll mit Menschen mit Demenz umgehen.

Die erste Demenzstrategie für Ostbelgien umfasst sechs Handlungsfelder:

  • Öffentlichkeitsarbeit
  • die rechtzeitige Diagnose
  • die Unterstützung der pflegenden Angehörigen
  • die Erweiterung der Unterstützungsangebote
  • die Aus- und Weiterbildung
  • der strukturierte Dialog.

1. Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeit soll informiert und sensibilisiert werden. Sie soll ein facettenreiches, nuanciertes Bild der Demenz erhalten, statt der einseitigen Bilder von Verfall, Hilfslosigkeit, schleichendem Abschied.

Konkret soll beispielsweise die Internetseite www.lebenmitdemenz.be aktualisiert und beworben werden. Geplant ist, ein Wörterbuch zu veröffentlichen, das die aktuell wertschätzenden, zu gebrauchenden Begriffe in der Begleitung der Menschen mit Demenz oder der Senioren beinhaltet.

2. Die rechtzeitige Diagnose

Mehr Menschen mit Demenz sollen frühzeitig eine Diagnose ihrer Krankheit erhalten.

Rechtzeitig bedeutet hier: Es müssen Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung stehen, wenn der Betroffene diese braucht und sucht. Angedacht ist etwa, regelmäßig mit einem Referenz- bzw. Facharzt in den Alten- und Pflegewohnheimen zusammenzuarbeiten und so mehr bzw. genauere Diagnosen zu ermöglichen. Eine andere Idee ist, die Patientenverfügung an die Belange der Menschen mit Demenz anzupassen bzw. sie entsprechend zu erweitern.

3. Die Unterstützung der pflegenden Angehörigen

Pflegende Angehörige sollen unterstützt und ihnen soll Raum gegeben werden. So sollen sie so viel Fürsorge leisten können, wie für sie tragbar ist.

Geplant ist beispielsweise eine „Servicestelle Demenz“ – sprich eine zentrale Anlaufstelle, um den Angehörigen umfangreiche, neutrale Informationen aus einer Hand anzubieten. Außerdem sollen die pflegenden Angehörigen mehr Weiterbildungsmöglichkeiten erhalten.

4. Die Erweiterung der Unterstützungsangebote

Die Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz sollen weitergeführt, erweitert oder bei Bedarf neu geschaffen werden.

Konkret sollen zum Beispiel wohnortnahe Angebote unterstützt werden, die die Menschen mit Demenz mit ihren Angehörigen an der Gesellschaft teilhaben lassen – gemeint sind Demenz-Cafés, gemeinsames Singen, gemeinsame Gottesdienste oder Sportgruppen. Eine weitere Idee ist, alternative Wohnformen für Menschen mit Demenz zu schaffen - etwa kleine Wohngruppen.

5. Die Aus- und Weiterbildung

Es sollen weiterhin regelmäßig Weiterbildungen angeboten werden, die unterschiedliche Themen ansprechen.

Angedacht ist etwa, eine systematische Weiterbildung zum Thema Demenz anzubieten für alle Personalmitglieder der Dienste, Organisationen und Einrichtungen, die in der stationären, teilstationären und häuslichen Hilfe aktiv sind. Beispielsweise soll auch bei der Ausbildung der Krankenpfleger ein besonderes Augenmerk auf die Begleitung der Menschen mit Demenz gelegt werden.

6. Der strukturierte Dialog

Damit die Demenzstrategie weiter umgesetzt und vorangetrieben wird, soll ein Dialog mit allen Akteuren organisiert werden – und zwar regelmäßig, breit angelegt und strukturiert.

Im Frühjahr und im Herbst 2017 bietet das Ministerium beispielsweise weitere Arbeitssitzungen an. Die Seniorenbeauftragten sollen auf Ebene der Gemeinden das Thema Demenz systematisch ansprechen.

Was im Detail geplant ist, können Sie in der im Download befindlichen Demenzstrategie nachlesen.